#1

Namenstradition und Ehre

in Scheinadel, Kritik am Adel 10.03.2016 16:30
von Baron Nahodyl • 29 Beiträge

Nach heutigem Namensrecht können Eheleute wählen, ob sie den Namen des Vaters oder der Mutter oder beide Namen zusammen als Ehenamen führen wollen. Diese Möglichkeit ist ein Bruch einer jahrhundertelangen Namenstradition, der nur auf Grund des Gleichheitsgebotes des Grundgesetzes erfolgte. Ich bin der Meinung, daß man hier eindeutig übertrieben hat, denn in der Namensübernahme ging es ja um eine einheitliche Regelung, nicht um eine Diskriminierung, zumal ich in der Namnsübernahme des Ehemannes keine Diskriminierung der Ehefrau selbst sehen kann. Auch das Kind muß den Familiennamen der Eltern übernehmen und nicht etwa den der Nachbarn, und deswegen liegt auch keine Diskriminierung vor.

Daß unsere Tradition nun gerade den Namen des Vaters zum Namen des Sohnes und zum Ehenamen desselben gemacht hat, hat ganz logische Gründe: Früher war nämlich der Name des Vaters oft (nicht immer) auch mit dessen Beruf identisch: Der Herr Müller war eben auch tatsächlich der Müller des Dorfes. Und es war üblich, daß sein Sohn die Mühle übernimmt und selbst Müller wird. Es wäre also völlig irrsinnig, dem Sohn nun den Namen der Mutter oder einer Ehefrau zu geben, die vielleicht eine geborene Bäckerin ist: "Herr Bäcker" wäre dann Müller.
Töchter heirateten und übernahmen nicht den Beruf des Vaters; damals bekamen Frauen viele Kinder und hätten nicht noch nebenbei als Müllerin arbeiten können. Der Müller heiratet eine Frau, die nun in sein Haus überwechselt und die dann natürlich die "Frau Müllerin" ist. Die Beibehaltung des Geburtsnamens "Frau Bäckerin" für die Ehefrau des Müllers wäre auch unsinnig.
Der andere Gedanke ist der, daß in ältesten Zeiten Söhne erbten, Töchter aber verheiratet wurden. Dann sollte der Sohn natürlich den Namen (und z. B. das Wappen) des Vaters weiterführen.
Und in den ältesten Zeiten war es aus rechtlichen Gründen wichtig, den jeweiligen Vater eines Kindes zu kennen; die Mutter war ja immer durch ihre Schwangerschaft sofort ersichtlich, der Vater nicht. Ein Vater mußte sein Kind daher anerkennen, dann bekam es dessen Familiennamen und allen war klar, daß es der Nachkomme des Vaters ist (was für das Erbe wichtig war). Die Männer waren früher ja oft Kieger und machten damit auch ihren Namen bekannt und darauf konnte der Sohn dann aufbauen - das ist teils noch heute so: Gestern zeigten sie im Fernsehen den Sohn (oder einen Verwandten) von Loriot, desgleichen den Sohn von Arnold Schwarzenegger. So einer hat es nun schon etwas leichter auf der Karriereleiter, weil man seinen Vater und seine Herkunft kennt.
Auch gab es früher noch vereinzelt die Vielehe (ein Mann, mehrere Ehefrauen), da war es erst recht nicht möglich, den Namen einer Ehefrau anzunehmen.

Normalerweise ist jeder Mann - ob adelig oder bürgerlich - auf seinen Namen stolz, verbindet ihn mit seinnem Elternhaus und seinen Ahnen und versucht, ihm Ehre zu bereiten. Männer, die ihren eigenen Namen bei der Eheschließung aufgeben, um den Namen der Ehefrau anzunehmen, kann ich nicht verstehen. Sind sie denn nicht auf ihre eigenen Ahnen stolz? Der Name der Ehefrau hat mit ihnen, ihrer eigenen Familientradition doch rein gar nichts zu tun. Genealogen bekommen das Problem, daß sie nicht wissen, auf welchen Stammbaum sie dieses Paar nun setzen sollen: Ist das Ehepaar Bäcker nun auf dem Stammbaum der Bäckers aufzuführen, oder - da er ja der Sohn des Müllers ist - auf dem Stammbaum der Müllers, trotzdem sie diesen Namen gar nicht mehr führen? Und was ist bei einem Familientreffen der Müllers, da passen doch die Bäckers nicht mehr hinein?

Und - ich gestehe es offen - ich empfinde Männer, die ihren eigenen Sippennamen aufgeben, als Schwächlinge, ohne Rückgrat, "Weicheier". Haben sie denn keine Traute von der Frau zu verlangen, daß sie sich gefälligst zu ihrem Ehemann bekennen sollte? Und drehen sich nicht die Ahnen im Grabe um, daß der Sohn ihren in Ehren geführten Namen so einfach ablegt? Zwar kann auf diese Weise ein Bürgerlicher zu einem Adelsnamen kommen, aber wie unschön sieht es aus, wenn es heißt: "Graf von Adelberg geb. Schulze"? Und als Adeliger gilt so ein Mensch auch nicht, obwohl er juristisch einwandfrei diesen Namen führen kann, denn nach Adelsrecht gehört er dennoch nicht zum Adel.

Aber vor allem kann ich nicht nachvollziehen, wie man als Mann seinen eigenen Namen so leichtfertig aufgeben kann. Ich würde niemals einen eigenen bürgerlichen Namen meiner Vorfahren aufgeben, um mir den Adelsnamen meiner Ehefrau anzueignen, das wäre traditionslos.
Einer meiner Vorfahren hieß "Buschkamp", das ist ein Name aus Westfalen, den Heuerlinge (Leibeigene) trugen, die irgendwo ein kleines Feld (kamp) besaßen. Also eigentlich kein besonderer Name. Aber mein Vorfahr war Unternehmer und brachte es zu einer großen und gutgehenden Firma - er machte seinem Namen damit Ehre und mußte sich nicht schämen. So sollte es eigentlich sein.

Mit Grüßen
Baron Nahodyl

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#2

RE: Namenstradition und Ehre

in Scheinadel, Kritik am Adel 10.03.2016 16:48
von Baronin Nahodyl • 14 Beiträge

Daran sieht man mal wieder, daß vielen Menschen ihre Ahnen herzlich egal sind. Das finde ich bedauerlich.

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#3

RE: Namenstradition und Ehre

in Scheinadel, Kritik am Adel 13.03.2016 17:45
von A. Kraus • 5 Beiträge

Sicher hängt man üblicherweise gewissermaßen an seinem Familiennamen, aber diesen behalten zu wollen, steht doch wohl in unserer Zeit nicht mehr lediglich dem Mann zu. Aus ganz unterschiedlichen Gründen kann dieser ihn auch ablehnen, nicht zuletzt, wenn er eben nicht stolz auf seine Familie ist. Die ursprüngliche Namensgebung nach dem Ehemann hatte auf jeden Fall ihre Berechtigung, aber heutzutage hat sie die nun einmal verloren. Manch ein Kind mag vom Namen der Mutter jetzt mehr profitieren als von dem des Vaters.
Bei Familientreffen sollte es, sowie ich das sehe, auch nicht um den Nachnamen, sondern die Verwandtschaft gehen. In unserem Stammbaum finden sich diverse Familiennamen und ich fühle mich auch nicht nur dem, den ich tatsächlich trage, verbunden, zumal auch an der einen oder anderen Stelle schon Generationen vor meinen Großeltern der Name der Ehefrau angenommen wurde.
Welchen Namen man in der Ehe annimmt, halte ich eher für nebensächlich (in Einzelfällen muss hier freilich nochmals unterschieden werden). Wichtig ist doch eher, dass man sich seiner Familie und deren Geschichte bewusst ist, wobei ich der Meinung bin, dass, sollte man einen anderen Namen annehmen, man sich ebenso über dessen Bedeutung und Herkunft informieren sollte.


Verba volant, scripta manent.
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#4

RE: Namenstradition und Ehre

in Scheinadel, Kritik am Adel 18.03.2016 13:49
von Baron Nahodyl • 29 Beiträge

Sehr geehrter Herr Kraus,

Zitat
Aus ganz unterschiedlichen Gründen kann dieser ihn auch ablehnen, nicht zuletzt, wenn er eben nicht stolz auf seine Familie ist.



Man sollte immer auf seine Familie stolz sein; nur in wenigen Fällen dürfte es schwer fallen, etwa wenn einer "Hitler" heißt. Aber es obliegt jedem Mitglied, den Familiennamen mit Ehre zu erfüllen. Ich finde es ein Anzeichen von Dekadenz, wenn man sich durch Namensänderung quasi von seiner eigenen Familie distanziert. Es ist sowieso nur ein Verschleiern, denn die Genetik der Familie behält man immer. Heutzutage zählt die Familie ja nicht mehr viel, früher war das anders, da es noch keinen Staat gab, der ggfls. für den Einzelnen sorgte. Man war also auf die Familie angewiesen, falls man in Not kam. Wir wissen nicht, ob nicht irgendwann solche Zeiten wiederkommen werden.

Zitat
Manch ein Kind mag vom Namen der Mutter jetzt mehr profitieren als von dem des Vaters.



Gut, wenn man allein darauf sieht, wie man gut Karriere machen kann. Das sollte aber nicht das Motiv sein, nach dem man handelt. Vielmehr sollten die Sippenverbundenheit und die Verwurzelung in einer alten Familientradition wichtiger sein.

Zitat
zumal auch an der einen oder anderen Stelle schon Generationen vor meinen Großeltern der Name der Ehefrau angenommen wurde.


Das konnte vorkommen z. B. wenn der Name des Vaters nicht bekannt war oder die Mutter die letzte Trägerin eines Adelsnamens war. Dann hat das auch seine Berechtigung, doch wenn allein ein mißverstandener Gleichheitsgrundsatz des uns von den Besatzungsmächten aufgedrängten Grundgesetzes der Grund ist, dann reicht das nicht aus.

Zitat
Wichtig ist doch eher, daß man sich seiner Familie und deren Geschichte bewußt ist,



Wir tun das aus Interesse, doch Kinder machen das vielleicht nicht und identifizieren sich mit einem traditionell nicht zustehenden Namen. Das sollten wir verhindern, indem wir beim alten System bleiben.

Der Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz wird sowieso überstrapaziert. So will man erreichen, daß Frauen und Männer für dieselbe Arbeit den gleichen Lohn erhalten. Aber Männer müssen in der Regel ihre Familie ernähren, Frauen nicht, daher ist der höhere Lohn für Männer im Normalfall gerechtfertigt, da sie ihn teilen müssen (alleinerziehende Frauen sind ja nicht der Normalfall). Auch ist die Lebenserwartung der Männer kürzer als die der Frauen, was der etwas höhere Verdienst ausgleicht.

Mit Grüßen
Baron Nahodyl

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