#1

Österreichischer Adelsname mit deutschem Pass

in Namensrecht, Titelrecht, Adelsrecht, Wappenrecht 03.02.2016 22:16
von L.D. • 2 Beiträge

Hallo,
Mein Vater (und damit auch ich) heißt laut Gotha *Vorname* Graf von XXX-YYY. Er ist allerdings von Staatsangehörigkeit her Österreicher, so dass im Pass steht: *Vorname* XXX-YYY. Meine Mutter hieß mit mädchennamen Freiin von ZZZ und von Staatsangehörigkeit her Deutsche. Ich habe damit beide Staatsangehörigkeiten. Mich würde interessieren ob es die möglichkeit gibt den Grafentitel, der ja laut deutschem Namensrecht als Nachnamensbestandteil gilt, in den Pass eintragen zu lassen.
Falls es relevant sein sollte: Mein urgroßvater wurde vor dem 1. Weltkrieg geboren und besaß, wenn ich mich nicht täusche, beide
Staatsbürgerschaften, seine Kinder, darunter mein Großvater, jedoch nur noch die Österreichische.

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#2

RE: Österreichischer Adelsname mit deutschem Pass

in Namensrecht, Titelrecht, Adelsrecht, Wappenrecht 04.02.2016 00:18
von A. Kraus • 5 Beiträge

Guten Abend,

die Situation dürfte wie folgt aussehen:
Ihr Urgroßvater müsste die Möglichkeit gehabt haben, nach dem Ersten Weltkrieg außerhalb von Österreich den Adelsnamen amtlich zu führen. In Österreich selbst bliebe ihm das aber bis heute verwehrt. Da seine Kinder aber nur die österreichische Staatsbürgerschaft besaßen, war ihnen das verwehrt und so sieht es auch jetzt aus. Was in Österreich dem Adelsaufhebungsgesetz von 1919 zum Verhängnis fiel, kann in Deutschland leider nicht wiederhergestellt werden.
Deutschen Staatsbürgern steht in diesem Fall nur noch die wenig zufriedenstellende Eintragung als Künstlername (Friedrich v. Thun, Marie v. Waldstätten) im Personalausweis zur Verfügung. In Österreich dürfen meines Wissens nach auch Adelsnamen als Künstlernamen geführt werden, diese werden aber wohl dort sowieso nicht im Ausweis geführt.
Einzige Ausnahme bilden in Rumänien, der Tschechoslowakei etc. aberkannte Adelstitel (Nr. 45 NamÄndVwV), ein Thema, mit dem sich auch meine Familie zurzeit eindringlicher beschäftigt, aber wenn die Ihre österreichische Wurzeln hat, dann wird dieser Teil der Verwaltungsvorschrift vermutlich nicht zum Tragen kommen.

Mit freundlichen Grüßen,
Artur Kraus


Verba volant, scripta manent.
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#3

RE: Österreichischer Adelsname mit deutschem Pass

in Namensrecht, Titelrecht, Adelsrecht, Wappenrecht 04.02.2016 01:17
von Baron Nahodyl • 29 Beiträge

Sehr geehrter Graf D.,

was Artur Kraus ausführte, kann ich nur bestätigen. Auch unsere Familie ist teilweise von dem Titelverbot Österreichs betroffen. Da Sie aber auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, können Sie auch einen deutschen Personalausweis beantragen und dort Ihren adelsrechtlich korrekten Namen als Künstlername eintragen lassen. Um das zu erreichen, müssen Sie allerdings unter diesem Namen schon aufgetreten sein und das auch nachweisen.
Mit einem Künstlernamen sind Sie voll rechtsfähig, lediglich wenn Sie ein Grundstück kaufen und das im Grundbuch eintragen lassen wollen, müssen Sie zusätzlich Ihren amtlichen Namen führen - was dann bei Ihnen ja bedeutet, daß Sie den gewünschten Namen verwenden. Sie können dann auch z. B. Ihr Konto usw. mit dem Künstlernamen führen.

Da Ihnen der Titel zusteht, würde ich Ihnen raten, einen Namensänderungsantrag in Deutschland zu stellen. Zwar gelten österreichische Adelsnamen nicht als "wichtiger Grund" für eine Namensänderung, da aber der Gesetzgeber im Falle Czechei, Rumänien oder der Balten doch wollte, daß Adelige ihre alten Namen zurückerhalten, könnten Sie sich darauf berufen, denn das Recht muß ja für alle gleich sein. Sie haben die standesamtlichen Urkunden und können zweifelsfrei beweisen, daß Ihrer Familie der Name zusteht. Wenn Sie ihn darüberhinaus dann auch noch als Künstlername geführt haben, könnte die Behörde Ihnen die Namensänderung bewilligen; übrigens sind die "wichtigen Gründe" dafür nur in einer Behördenvorschrift festgelegt, nicht im Gesetz. Sollte Ihnen also der Antrag abgelehnt werden, ist Klageerhebung vor dem Verwaltungsgericht sinnvoll, denn zumindest das Ober- und Bundesverwaltungsgericht hat in der Vergangenheit immer eher für die adeligen Antragsteller entschieden, zumal das Gericht die Behördenvorschrift gar nicht interessiert.

Allerdings: Wenn Sie den Namen haben, und sich in Österreich niederlassen, werden man Ihnen den Namen wieder wegnehmen. Da wäre es dann ratsam, die österreichische Staatsangehörigkeit abzulegen.

Bis Sie den Namen als Künstlername oder amtlichen Namen haben, sollten Sie im Privatverkehr (und wenn möglich auch im Verkehr gegenüber Behörden) immer den Adelsnamen führen, das hilft Ihnen später auch bei der amtlichen Annahme. Die Strafe in Österreich ist so gering, daß Sie das ruhig wagen sollten. Wenn Sie wegen des Führens des Namens bestraft werden, ist damit immerhin schon einmal amtlich bestätigt, daß Sie diesen Namen führen (was Ihnen bei Annahme als Künstlername hilft).

Oder lassen Sie sich von Steffi Graf (oder einem anderen mit diesem Namen) adoptieren, dann können Sie den Namen "Gaf XXXX" führen. Sogar amtlich in Österreich, da der Nachname von Steffi Graf kein Adelstitel ist.

Ich denke auch, daß - sofern Ihre Familie in Österreich geadelt wurde - eine Entschädigungsforderung an Österreich gestellt werden sollte: Der Vorfahr hatte sich besonders wagemutig gezeigt, in Lebensgefahr gebracht und wurde dafür mit dem Adel belohnt; dafür mußte eine hohe Gebühr entrichtet werden. Diese wurde in dem Glauben, den Adel nun ewig führen zu können, auch entrichtet. Als Österreich den Adel verbot, war der Vertrag einseitig geändert und der Vorfahr war betrogen. Also sollte man die Gebühr mit Zins und Zinseszins zurückklagen.

Grüße
A. v. Nahodyl

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#4

RE: Österreichischer Adelsname mit deutschem Pass

in Namensrecht, Titelrecht, Adelsrecht, Wappenrecht 04.02.2016 11:12
von L.D. • 2 Beiträge

Vielen Dank für die schnelle Antwort! Also sieht das mit der Namensänderung eher schlecht aus. Sie sagten jedoch, dass es mit Familien deren Wurzeln in anderen Ländern sind anders wäre? Meine Familie stammt ursprünglich aus Deutschland, daher habe ich auch (entfernte) Verwandte, bei denen das "Graf von" im Ausweis steht, weil sie bzw ihre Vorfahren nie Österreicher waren.

Mit freundlichen Grüßen,
L. D.

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#5

RE: Österreichischer Adelsname mit deutschem Pass

in Namensrecht, Titelrecht, Adelsrecht, Wappenrecht 04.02.2016 12:11
von A. Kraus • 5 Beiträge

In diesem Fall besteht natürlich die Möglichkeit, sich von diesen Verwandten adoptieren zu lassen. In dem Fall wäre der Adelsname dann in Deutschland recht einfach zu übernehmen und zu führen. Dafür wäre es natürlich optimal, wenn Sie einen engen Kontakt zu besagten Familienmitgliedern pflegten.

Nr. 45 NamÄndVwV bezieht sich lediglich auf solche Adelstitel, die in der Tschechoslowakei, in Rumänien, Estland oder Litauen aberkannt worden sind. Ich zitiere die Verwaltungsvorschrift:

Zitat
"Einem Antrag auf Wiederherstellung eines früher rechtmäßig geführten Familiennamens mit einer ehemaligen Adelsbezeichnung als Namensbestandteil ist in der Regel zu entsprechen, wenn der Antragsteller die deutsche Staatsangehörigkeit nach dem 1. Januar 1919 erworben hat, vorher Staatsangehöriger von Estland, Litauen, Rumänien oder der Tschechoslowakei war und ihm die Führung der ehemaligen Adelsbezeichnung vor der Einbürgerung durch ein Gesetz oder eine Verwaltungsmaßnahme seines früheren Heimatstaates verboten worden ist. Gleiches gilt für Antragsteller, die ihren Familiennamen von einer unter Satz 1 fallenden Person ableiten."


Das dürfte hier nicht zutreffen.
Ich würde Ihnen also raten, auf Ihre deutsche Verwandtschaft zuzugehen. Die Adoption dürfte in diesem Fall das einfachste und unproblematischste Mittel sein. In Österreich wird Ihnen der Name vermutlich trotzdem nicht zur Führung zur Verfügung stehen, zumindest nicht im Ausweis. Als deutscher Staatsbürger dürfen Sie sich aber wohl dort auch so nennen, vermute ich - zumindest tun dies Angehörige der ursprünglich österreichischen Gräflichen Familie Kottulinsky v. Kottulin, die aus Deutschland wieder in die Steiermark gezogen sind und dort heute das Schlosshotel Obermayerhofen betreiben, auf ihrer Website.

Mit freundlichen Grüßen,
Artur Kraus


Verba volant, scripta manent.
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#6

RE: Österreichischer Adelsname mit deutschem Pass

in Namensrecht, Titelrecht, Adelsrecht, Wappenrecht 11.02.2016 01:41
von Baron Nahodyl • 29 Beiträge

Herr Kraus hat Recht, die Verwaltungsvorschrift bezieht sich nicht auf Österreicher. Aber es ist eben kein Gesetz, sondern eine Verwaltungsvorschrift, und in der Vergangenheit hatte das Bundesverwaltungsgericht oft (in Fällen des ungarischen Adels) entgegen dieser Vorschrift geurteilt. Die Urteile finden sich abgedruckt in der Zeitschrift "Das Standesamt". Trotzdem sieht es für Österreicher schlecht aus und eine Behörde wird es kaum wagen, Ihnen den Namen zuzusprechen aus Angst, daß dann viele weitere Fälle kommen werden. Und allein die Wiederherstellung einer früheren Adelsbezeichnung ist leider kein "wichtiger Grund" für eine Namensänderung, wobei das eine Ermessensentscheidung der jeweiligen Behörde ist. Es kommt also auch darauf an, wo Sie den Antrag stellen würden.

Was eine Adoption betrifft, so ist sie der beste Weg wenn Sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Damit können Sie auch in Österreich z. B. bei einer Eheschließung den ganzen Namen führen. Sollten Sie allerdings als Österreicher gelten, würde man Ihnen die Titl wieder nehmen (siehe den Fall Sayn-Wittgenstein, hier: http://curia.europa.eu/juris/document/do...cc=first&part=1 ).

Nach deutschem Recht ist eine Adoption nur um einen Namen zu übertragen unzulässig, daher müßten Sie dem Gericht vorgeben, daß es tatsächlich aus andern Gründen geschieht. Der Adoptionsvater (-geber) sollte älter sein als Sie.

Egal welchen Weg Sie gehen, nach Adelsrecht gehören Sie zum Adel auch ohne die Titel im Ausweis.

Mit freundlichen Grüßen
Baron Nahodyl

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